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  1. #1
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    Insolvenz eines Kunden

    Hallo zusammen,

    ich habe eine Frage bzgl. der Darstellung einer Insolvenz im Haupt- und Nebenbuch.

    Auf dem Debitorenkonto steht eine Rechnung von 119 EUR (brutto 19%).

    Dieser Kunde teilte uns mit bzw. der Insolvenzverwalter, das besagter Kunde insolvent ist und wir unsere Forderung anmelden sollen. Alles erledigt.

    Was ist zu buchen?

    Meiner Meinung nach, muss die Rechnung auf dem Debitorenkonto offen stehen bleiben (d.h. 119EUR) bis wir vom Insolvenzverwalter erfahren, dass die Rechnung uneinbringlich ist oder bspw. zu 50% gezahlt wird.
    In dem Moment wo wir erfahren, dass die Rechnung uneinbringlich oder nur zu einem % Satz x kommt, würden wir korrigieren. D.h. erst dann würde ich meine EWB buchen, die USt korrigieren, um dann auf dem Debitor 0 stehen zu haben bzw. 50%.
    Ist das Verständnis erst mal korrekt?


    Auf dem Konto Forderung L+L, auf dem 100 EUR stehen. würde ich allerdings bereits am Tag des Bekanntwerdens der Insolvenz von Ford. LuL auf Zweifelhafte Forderungen umbuchen?

    Ist das Korrekt?

    VIelen Dank im Voraus.

  2. #2
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    Hallo Georgia,

    ich will zunächst umsatzsteuerlich auf deine Frage eingehen und darf aus Sölch/Ringleb, Rn. 120 und 121 zu § 17 UStG zitieren:

    "Liegen keine anderen Anhaltspunkte vor, ist von einer Uneinbringlichkeit spätestens dann auszugehen, wenn für den Entgeltschuldner ein vorläufiger Insolvenzverwalter mit allgemeinem Zustimmungsvorbehalt bestellt wird, da diesem das Recht zusteht, Zahlungen auf Forderungen, die im Insolvenzfall als Insolvenzforderungen anzusehen sind, zu widersprechen. Auf den Zeitpunkt einer späteren Insolvenzeröffnung beim Entgeltschuldner, auf den die ältere BFH-Rechtsprechung abgestellt hatte, kommt es somit nicht mehr an.

    Auf das früher als maßgeblich angesehene Erfordernis eines qualifizierten Bestreitens (BFH v. 31.5.2001 V R 71/99, BStBl II 03, 206; v. 22.4.2004 V R 72/03, BStBl II 04, 684; v. 20.7.2006 V R 13/04, BStBl II 07, 22 und v. 8.3.2012 V R 49/10, BFH/NV 12, 1665) hat der BFH in seiner jüngeren Rechtsprechung nicht mehr abgestellt (BFH v. 24.10.2013 V R 31/12, BStBl II 15, 674)
    ."

    Damit dürfte die Umsatzsteuer in Höhe von 19 ergebniswirksam zu mindern sein.

    Für den Fall, dass aus der späteren Quote eine Zahlung resultiert, ist die USt natürlich insoweit, abermals nach § 17 UStG, zu korrigieren.


    Nun zur ertragsteuerlichen Behandlung:

    Im Rahmen der handelsrechtlich gebotenen Einzelbewertung (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB) und als Ausfluss aus dem Prinzip der vorsichtigen Bewertung (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 Halbsatz 1 HGB), sollte die Forderung ebenfalls vollumfänglich zu berichtigen sein.

    Steuerrechtlich kann per Teilwertabschreibung, § 6 Abs. 1 Nr. 2 S. 2 EStG, ein gleichlautendes Ergebnis erzielt werden.


    Daher kann ich zusammenfassen, dass dein Ergebnis der Höhe nach richtig ist, aber zeitlich vorzuziehen sein dürfte.



    Viele Grüße und schönen Feierabend,


    Schutte

  3. #3
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    Erst einmal solltest du diese Forderung von den normalen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen trennen, indem Du sie in die "Zweifelhafte Forderungen" buchst.
    Zum Jahresende geht es an die Bewertung.

    Lass Dir am besten vom Insolvenz Verwalter eine Erklärung geben
    (da musst du aber gezielt auf ihn zugehen),
    wie hoch die zu erwartenden Quote maximal ausfallen wird für Euer Unternehmen.
    Dann
    (sonst immer erst bei endgültigem Abschluss des Insolvenzverfahrens)
    darfst Du nämlich nicht nur den sicher auffallenden Erlösteil zurück buchen, sondern auch den sicher auffallenden Umsatzsteuerteil.

    Bekommst Du eine solche Bescheinigung vom Insolvenzverwalter nicht,
    dann buchst Du zum Geschäftsjahresende zumindest den Erlösteil
    in geschätzter Ausfallhöhe aus den Umsatzerlösen (die Du mit Stellen der Ausgangsrechnung eingebucht hattest) heraus:

    Aufwand für Einzelwertberichtigung von Forderungen
    an
    Einzelwertberichtigung (passives Bestandskonto)

  4. #4
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    Korrigiere Tippfehler:

    "Dann ... darfst Du nämlich nicht nur den sicher ausfallenden Erlösteil zurück buchen, sondern auch ..."

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